• Ralf

Der Pygmalion-Effekt

Aktualisiert: 4. Mai


Der Pygmalion-Effekt mag umständlich klingen und schwer auszusprechen sein, aber glaubt mir: Er ist ein einfacher psychologischer Trick, der absolut nichts kostet: weder Geld noch sonderlich viel Hirnschmalz — und der das Beste aus den Menschen um euch herum herausholt.


Jederzeit und überall anwendbar eignet er sich für Trainer, die ihre Spieler zu Höchstleistungen bringen wollen, genauso wie für Eltern oder Führungskräfte. Ärzte können mit dem Pygmalion-Effekt ihre Patienten dazu bringen, sich endlich gesünder zu ernähren.

Entdeckt haben ihn die US-Psychologen Robert Rosenthal und Lenore Jacobson. Im Jahr 1968 legten sie allen Schülern einer Grundschule in Kalifornien einen IQ-Test vor. Nach der Auswertung überbrachten sie dann den Lehrern — und nur ihnen — die Nachricht, welche Schüler der jeweiligen Klassenstufe dem Test zufolge überdurchschnittlich begabt waren. Von diesen, so sagten sie, könne man erwarten, dass sie am Ende des Schuljahres deutlich besser abschneiden als die anderen Schüler der Klasse.

Und so war es auch, als die Forscher nach Ablauf des Schuljahres wiederkamen. Vor allem bei den Jüngsten, in der ersten und zweiten Klasse, waren jene, denen es vorhergesagt worden war, zu den Überfliegern der Klasse geworden. So weit, so unspektakulär? Der Witz an der Studie war: Die Forscher hatten die angeblichen Intelligenzbestien nicht nach ihren tatsächlichen IQ-Werten ausgewählt — sondern nach dem Zufallsprinzip.


Ein Mensch verhält sich so, wie wir es von ihm erwarten


Da die Schüler selbst nicht wussten, ob sie „auserwählt“ worden waren oder nicht, musste es allein die Erwartung der Lehrer gewesen sein, die diesen erstaunlichen Leistungsschub hervorgebracht hatte. Rosenthal und Jacobson zeigten also eindrucksvoll: Ein Mensch verhält sich so, wie wir es von ihm erwarten. Wer Gutes erwartet, der fördert und ermutigt bewusst und unbewusst viel, verzeiht aber auch viel. Er legt sein Augenmerk auf die positive Entwicklung, hilft bei Rückschlägen und Problemen und vertraut darauf, dass der andere seinen Weg findet.

Die Erwartungshaltung verändert, wie wir mit diesem Menschen umgehen. Und dies wiederum verändert langfristig sein eigenes Verhalten. Das haben nach den ersten Studien der US-Psychologen viele weitere gezeigt. Um zu unseren Beispielen oben zurückzukommen: Ein Chef, der fest daran glaubt, dass sein Team die beste Lösung für ein Problem finden wird, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso ein Team bekommen. Eltern, die überzeugt sind, dass ihr Kind die Kraft und Klugheit hat, seinen Weg in der Schule und im Leben zu finden, werden vermutlich einen Menschen großziehen, der ein gutes Gespür für sich selbst entwickelt und das Beste aus sich herausholt.

Das kann jeder von uns auch im Alltag nutzen. Zum Beispiel bei Reden, Vorträgen oder Seminaren. Dein Publikum merkt es, wenn du es ernst nimmst und Selbstbewusstsein ausstrahlst. Gehe also mit Respekt und Zuversicht in den Termin. Hole deine Zuhörer gedanklich ab und visualisiere den Erfolg deines Vortrags. Vera F. Birkenbihl erzählt dazu in ihrem Buch „Rhetorik“ eine Geschichte des Clown Grock: „… Grock beschreibt den letzten Moment vor einer Vorstellung – wobei seine Auftritte immer Monate im Voraus ausverkauft waren! Durch ein kleines Guckloch konnte er das Publikum beobachten. Und jeden Abend vor der Vorstellung stand Grock dort und betrachtete die Menschen, die schon in freudiger Erwartung Platz nahmen. Und er dachte mit großer Intensität: „Mein liebes, liebes Publikum. Ich danke dir, dass du heute erschienen bist, und ich werde mir größte Mühe geben, dich heute Abend zu erfreuen!“ Dann gab er das Zeichen, den Vorhand beiseitezuziehen, und mit diesem Gefühl im Bauch trat er vor diese Menschen! Das spürte sein Publikum!“


„Das wovor wir Angst haben, bekommen wir immer wieder. Das worauf wir uns freuen jedoch auch. Es macht einen Unterschied was wir tun! Handle so, als ob deine Einstellung die Welt verändert. Deine geistige Haltung beeinflusst das Geschehen - im Seminar, im Workshop oder bei deinem Vortrag“, frei nach Vera F. Birkenbihl zum Pygmalion-Effekt.

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