• Ralf

gr8tipps - gewaltfreie Kommunikation

Grundlage: Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg


Kurzfassung

Mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ ist es einfacher Konflikte zu lösen und Beziehungen zu verbessern. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, dass in ihrer Art zu kommunizieren „Gewalt“ steckt. Dieser Artikel erklärt das Phänomen und zeigt Wege für Gewaltlose Kommunikation auf.


Seit langer Zeit arbeite ich daran herauszufinden, warum einige Menschen einfühlsam bleiben, während andere schnell aggressiv werden. Dabei stellte ich fest, dass die Kommunikation dabei eine Schlüsselrolle spielt: Entscheidend ist nicht nur was, sondern auch wie wir etwas sagen. Auf der Suche nach passenden wissenschaftlichen Artikeln und Literatur bin ich dabei auf Marshall B. Rosenberg gestoßen. Aus seinem Buch / Konzept „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK) stammt die Idee der folgenden Ausführungen.


Rosenberg geht davon aus, dass Menschen von Natur aus einfühlsam sind, aber einige im Laufe der Zeit den Kontakt zu ihrer eigenen Einfühlsamkeit bzw. Wirkung auf andere verlieren. Dadurch entstehen Konflikte und Spannungen, die durch GFK wieder gelöst werden können.

Zielsetzung

Mit diesem Artikel wirst du herausfinden, wie du mithilfe einer Kommunikationsstrategie deine Beziehungen in punkto Kommunikation wieder auf die richtige Bahn bringst, Streit vermeidest und Konflikte löst. Du findest Tipps

  • wie du am besten reagierst, wenn dich jemand beleidigt,

  • warum du deine Beobachtungen immer von deinen Bewertungen trennen solltest, und

  • warum du nicht gleich losschimpfen musst, wenn dich etwas nervt.


Gedanken zu: gewaltfreie Kommunikation

Lebensentfremdende Kommunikation führt dazu, dass wir unser Einfühlungsvermögen verlieren.

Jeder braucht gesunde soziale Beziehungen, um glücklich und ausgeglichen zu leben. Beziehungen funktionieren zu einem großen Teil über verbale und non-verbale Kommunikation. Doch leider benutzen wir insbesondere die verbale Kommunikation oft so, dass sie uns nicht miteinander verbindet, sondern uns trennt und sogar dazu führt, dass wir einander Gewalt antun.


Dass Sprache und Gewalt zusammenhängen, wies unter anderem der Psychologe O.J. Harvey von der Universität Colorado nach. Er untersuchte, wie oft in der klassischen Literatur verschiedener Kulturen urteilende Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ verwendet wurden, und kam zu dem Ergebnis, dass es in den Kulturen, die diese Wörter häufiger benutzten, auch mehr gewaltsame Zwischenfälle gibt. Daraus schloss er, dass Urteile wie „gut“ oder „schlecht“ uns automatisch denken lassen, dass die „Schlechten“ bestraft werden müssen.

Diese Art der verurteilenden Sprache wird auch lebensentfremdende Kommunikation genannt. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass sich Menschen gewalttätig verhalten, sei es sich selbst oder anderen gegenüber und sie sorgt dafür, dass wir unser Mitgefühl für unsere Umgebung verlieren.


Bei der lebensentfremdenden Kommunikation verwenden wir unbewusst trennende Mechanismen, wie die moralische Verurteilung. Dabei gehen wir automatisch davon aus, dass jemand, der sich entgegen unseren eigenen Wertvorstellungen verhält, etwas Falsches tut. Dazu gehören Beleidigungen, Kritik, Vergleiche und Urteile. Wenn du z.B. sagst: „Du bist so egoistisch!“ oder „Das Problem bei dir ist, dass du immer …“, dann verurteilst du dein Gegenüber moralisch.


Dadurch kommen automatisch Gegensätze ins Spiel: normal und unnormal, erwünscht und unerwünscht usw. Sobald das passiert, beginnen wir zu analysieren, was genau „falsch“ läuft, und betrachten uns selbst dabei als moralischen Kompass. Wenn dein Partner z.B. Aufmerksamkeit braucht, findest du ihn vielleicht „anstrengend“. Wenn du selbst mehr Aufmerksamkeit brauchst, ist er vermutlich „gefühlskalt“.


Diese lebensentfremdende Kommunikation führt uns in eine Sackgasse. Eine bessere Alternative ist die Gewaltfreie Kommunikation (GFK).


Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein Weg, um einfühlsam miteinander zu sprechen.


Die GFK ist eine Möglichkeit, Sprache so zu verwenden, dass sie uns verbindet, anstatt uns zu trennen. Sie basiert auf dem Prinzip der Gewaltfreiheit – das schon Gandhi verwendete – und geht davon aus, dass wir alle von Natur aus einfühlsam sind und die Gewalt scheuen.


Nach der Theorie der GFK definiert die Sprache unsere Beziehungen. Wer GFK benutzt, ist sich der Worte und ihrer Bedeutung viel deutlicher bewusst als jemand, der einfach nur unbedacht spricht oder zuhört. Dabei geht die Theorie der GFK davon aus, dass jeder Mensch im Herzen gut ist und das Leben von anderen gerne verbessern möchte. Auf dieser Grundlage ist die GFK eine Sprache, die frei von Manipulation, Angst, Schuld oder Gier ist.

Die GFK besteht aus vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. In einer kritischen Situation solltest du zunächst einfach nur beobachten, ohne dass Gefühle deine Wahrnehmung trüben. Was genau passiert? Wie ist die Situation objektiv zu beschreiben? Erst im zweiten Schritt kommen dann deine Gefühle ins Spiel: Was löst diese Situation bei dir aus? Macht sie dich glücklich, traurig, wütend oder irritiert sie dich? Um wirklich zu verstehen, was vor sich geht, ist es sehr wichtig, diese beiden Schritte zu trennen, die wir normalerweise automatisch gleichzeitig gehen. Im dritten Schritt solltest du dir über dein Bedürfnis klar werden, für das du dann im vierten Schritt eine Bitte formulieren kannst.

Hier ist ein einfaches Beispiel: Wenn dein Mitbewohner ständig das schmutzige Geschirr liegen lässt, könntest du einfach sagen: „Du bist so schlampig, das nervt!“ – der beste Weg, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Wenn du möchtest, dass sich etwas ändert, benutzt du lieber die GFK: Du beschreibst die Situation („Dein schmutziges Geschirr steht seit zwei Tagen in der Küche“) und was für Gefühle das bei dir auslöst („Ich bin deswegen genervt und wütend“). Du erklärst dein Bedürfnis („Ich brauche Ordnung und Sauberkeit, um mich zu Hause wohlzufühlen“) und richtest eine Bitte an dein Gegenüber („Könntest du das Geschirr bitte abwaschen?“).

Nicht verwechseln: Unterscheide zwischen deiner Beobachtung und deinen Gefühlen.

Sehen wir uns die einzelnen Schritte der GFK noch etwas genauer an, um zu verstehen, wie du sie in deinen Alltag einbauen kannst. Zuerst musst du versuchen, Situationen richtig zu beobachten, ohne sie gleich mit deinen Gefühlen zu vermischen. Ein guter Trick ist dabei, sich ganz auf die Gegenwart zu konzentrieren. Was siehst du, hörst du, riechst du? Versuche, möglichst spezifisch zu sein und nicht zu generalisieren. Anstatt mit „Du bist immer so…“ durchzustarten, versuche lieber, die spezifische Situation anzusprechen.


Es ist schwierig, die eigenen Gefühle von den Beobachtungen zu trennen. Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti bezeichnete das sogar als die höchste Form von Intelligenzleistung: zu beobachten, ohne zu beurteilen. Kritik, Freude oder Enttäuschung kommen von ganz allein, wenn wir eine bestimmte Situation sehen. Doch es lohnt sich, Beobachtung und Beurteilung zu trennen, denn dadurch können wir viele Missverständnisse vermeiden.

Denn wenn wir eine Situation beschreiben und dabei unsere eigene Beurteilung mit hineinbringen, fühlt sich der Angesprochene schnell angegriffen und reagiert nur auf die Kritik an seiner Person, anstatt auf den sachlichen Inhalt. Daher solltest du genau aufpassen, wie du deine Aussagen formulierst. „Kati schiebt das Lernen vor sich her“, ist z.B. eine Beurteilung. Wertfrei formulieren könntest du diesen Satz so: „Kati beginnt erst kurz vor der Prüfung mit dem Lernen.“ Der Satz „Du findest alle meine Vorschläge schlecht“ ist verallgemeinernd und bewertend. Besser wäre: „Die letzten vier Male, als ich etwas vorgeschlagen habe, warst du nicht einverstanden.“

Ein anderer wichtiger Teil der Beobachtung ist, sich über sein Schubladendenken bewusst zu werden. Sobald du jemanden aus Einfachheit in eine gewisse Schublade steckst, verlierst du den Blick für die konkrete Situation oder Person. Wenn du z.B. jemanden etwa als „konservativ“ einstufst, könnte dein Urteilsvermögen davon beeinflusst sein, wenn ihr eine Diskussion führt, denn du weißt eh schon, was der andere denkt.


Lerne, deine Gefühle deutlich zu formulieren.


Die wertfreie Beschreibung der Situation ist der erste Schritt der GFK, der zweite Schritt ist es dann, zu erklären, welche Gefühle diese Situation bei dir auslöst – und auch das ist nicht gerade einfach!


Die wenigsten Menschen sind es gewohnt, im Alltag ihre Gefühle zu analysieren oder zu beschreiben, daher fällt es uns oft schwer, die passenden Worte für unsere Emotionen zu finden. Gleichzeitig ist es oft auch nicht leicht, überhaupt selbst zu verstehen, was wir gerade fühlen. Es lohnt sich aber, Gefühle deutlich zu beschreiben, denn dadurch verbessert sich die Kommunikation mit anderen.


Ein großer Stolperstein liegt dabei schon in der Sprache selbst. Wir verwenden die Worte „Gefühl“ oder „fühlen“ nämlich sehr häufig nicht für Gefühle, sondern für Gedanken. Wenn jemand z.B. sagt: „Ich habe das Gefühl, du mischst dich überall ein“, bedeutet das eigentlich, dass er denkt, der andere mische sich überall ein. Daher solltest du diese Floskeln vermeiden und einfach sagen: „Ich bin frustriert“ oder „Ich bin traurig.“


Außerdem neigen wir zu sehr vagen Gemütsbeschreibungen. Du bist gerade „irgendwie schlecht drauf“? Das geht noch genauer! Versuche deine Emotionen möglichst spezifisch und genau zu beschreiben und benutze präzisere Adjektive. Bist du niedergeschlagen, fühlst dich hintergangen, beschämt oder bereust du etwas? Du solltest dein Gefühlsvokabular ein bisschen ausweiten.


Ähnlich wichtig ist es, bei der Begründung für diese Gefühlslage so genau wie möglich zu erzählen. Die Aussage „Keiner beachtet mich“ ist ungenau und führt zu Missverständnissen. Stattdessen solltest du deine Erfahrung so formulieren: „Gestern habe ich meine Schwester um Rat gefragt und sie hat mir nicht zugehört. Dasselbe ist passiert, als ich später mit meinem Chef essen war. Ich fühle mich nicht geschätzt.“ Damit ist für jeden nachvollziehbar, welche Situation genau zu deinen Gefühlen geführt hat.


Es fällt vielen Menschen schwer, ihre Verletzlichkeit auszudrücken. In vielen Berufen, wie z.B. bei Anwälten oder im Militär, wird es sogar als Schwäche angesehen, Verletzlichkeit zu zeigen und gilt als unangebracht. Aber wenn wir unsere Gefühle ignorieren, kann das zu Spannungen mit unserer Familie, unseren Freunden oder Kollegen führen. Anstatt also deine Gefühle zu verstecken, solltest du die GFK nutzen, um kommunikative Brücken zu deiner Umwelt zu bauen.

Übernimm Verantwortung für deine Gefühle, indem du deine Bedürfnisse anerkennst.


Wenn du deine eigenen Gefühle analysieren und beschreiben kannst, bist du schon auf einem guten Weg, die GFK zu meistern. Es gibt aber noch einen wichtigen Schritt: Du musst deine Gefühle nicht nur verstehen, sondern du musst auch Verantwortung für sie übernehmen.


Das kannst du tun, indem du deine eigenen Bedürfnisse anerkennst. Die Worte oder Taten eines anderen können zwar der Auslöser für Gefühle bei dir sein, aber niemals ihre Ursache. Nicht das Gesagte selbst, sondern deine Reaktion darauf bestimmt, wie du dich fühlst. Du kannst selbst auf die schlimmste Beleidig