• Ralf

gr8knowledge: Lob, Feedback, Urteil

Auf die Frage "Was gehört zu guter Führung?" im Rahmen der Anamnese bei der Talententwicklung hören wir immer wieder „Ich gebe regelmäßig Feedback. Das ist mir wichtig.“ Fragen wir dann nach, wie denn die Feedback-Regeln sind, dann steigen die ersten schon aus.

Wie so häufig, wenn etwas inflationär verwendet wird, wird sich mehr auf das Offensichtlich und weniger auf das Wesentliche konzentriert. Mal ehrlich, hast du dich schon mal damit beschäftigt, dass Feedback, Lob bzw. Tadel und formales Urteil gänzlich unterschiedliche Dinge sind?

Wenn man den Unterschied nicht kennt, dann kann bei der Etablierung von sogenannten Feedback-Prozessen und -Systeme im Führungsalltag einiges schief gehen.

Wichtig: Das soziale Feedback gehört immer den Feedback-Empfänger:innen. Sie entscheiden intrinsisch, was sie damit anfangen und was sie daraus machen. Es muss das Ziel sein einen Umstand aus der Sicht der Feedback-Geber:innen zu erklären, um den Empfänger:innen eine Chance zur Verbesserung zu geben - so sie diese annehmen möchten. Größter Fehler im Alltag ist Feedback zu gegeben, um zu verletzen oder zu verunsichern.

Ein formales Urteil führt meist zu extrinsischen Konsequenzen. Es wird über eine Person „gesprochen“, sei es zum Beispiel in Bezug auf Verhalten, Karriere oder die Gehaltserhöhung. Eine Aussage kann nie Feedback und Urteil zugleich sein! Sobald extrinsische Konsequenzen hinzukommen, wird aus einem Feedback ein Urteil. Das muss zwingend vermieden werden.

Eine weitere Ausprägung einer Rückmeldung ist das Lob. Während formale Urteile beispielsweise im Rahmen einer regelmäßigen Leistungsbeurteilung stets klaren Regeln folgen sowie geplant und angekündigt sind, ist ein Lob unangekündigt und informell.

Anders als das soziale Feedback, welches sich auf eine Verbesserung des Verhaltens der Feedback-Empfänger:innen bezieht und nie auf die Person, soll Lob hingegen bestenfalls verstärkend wirken. Lob hat einen emotionalen Charakter. Es wird keine Verhaltensumstellung bewirken aber den Empfänger:innen gut tun - solange es ehrlich gemeint ist. Dabei darf nicht unterschätzt werden, dass Menschen ein gutes Gespür für ehrlich oder unehrlich gemeinte Worte haben.

Kurzum: Soziales Feedback ist kompetenzbasiert. Formale Urteile sind autoritätsbasiert und Lob ist vertrauensbasiert.


Dieses Thema ist u. a. Teil unserer gr8work-Workshops. Stay gr8!

15 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen